Freitag, 30. Mai 2014

Gleicht wie ein Bulle dem anderen

Kaum hat die FIA am Freitag grünes Licht für den von Adrian Newey entworfenen und schon seit mehreren Saisonrennen im Einsatz befindlichen Diffusor gegeben, so nahm Charlie Whiting das Urteil auch gleich schon wieder zurück. Das Team Red Bull Racing um Sebastian Vettel hat eine Niederlage einstecken müssen, da die Konkurrenz diesen Vorsprung durch Technik nicht wettmachen konnte und sich daher lautstark beschwerte.

Diese Meldung aus dem Juli 2011 hat auch fast drei Jahre später noch Aktualität. Zwar geht es weniger um zweifelhafte Luftleitbleche, als um die Zugehörigkeit zum Fußball-Unterhaus und der Protest der Konkurrenz wird viel leiser – dafür umso subtiler – kundgetan.

Sportlich haben die Brauseochsen aus Leipzig den Aufwärtstrend auch dieses Jahr wieder bestätigt und ihm mit dem Aufstieg in die 2. Fußballbundesliga die Krone aufgesetzt. Fernab des Platzes fehlt es jedoch mit der Bestätigung. Die anderen Vereine zicken rum und sehen ihre (vielleicht auch niemals zu erreichenden) Pfründe davon laufen und zu guter Letzt stellt die DFL auch noch Bedingungen. Es müssen demokratischere Vereinsstrukturen her, die Jahresbeiträge für Vereinsmitglieder sprengen fast die 1000 € Marke und das Logo könnte 1:1 aus dem Kühlschrank der Autobahnraststätte auf die Brust des Trikots gehüpft sein. Punkt 1 und 2 treffen voll und ganz zu. Es kann – trotz des bekannten Hintergrundes und dem Werdegang des damaligen SSV Markranstädt – nicht angehen, dass komplett alle Funktionäre auf Vereinsebene aus Fuschl am See bezahlt werden. Genauso verhält es sich mit den Kosten der Jahresmitgliedschaften. Diese sind einfach zu hoch und lassen den Zweck erahnen – Ausgrenzung statt Mitbestimmung. Das geht wirklich zu weit. Klar, in Hoffenheim lässt man sich die Butter auch nicht vom Brot nehmen und hält bei den Schlüsselpositionen - auch jenseits der 50+1 Regel - die Zügel in der Hand. Man verkauft es halt geschickter und lässt auf diese Weise etwas wie ein Vereinsgefühl entstehen. Die Rhein-Neckar Region ist ebenfalls gespalteten, trotzdem begegnen viele Leute Dietmar Hopp mit Dankbarkeit und großem Respekt, nicht zu letzt wegen vorangegangener Leistungen und Wohltaten des Mäzens.

In Leipzig ist das etwas anders. Zwar gibt es auch im Süden viel Tradition und Fußballkultur mit dem KSC, dem VFB, den roten Teufeln, Eintracht Frankfurt und nicht zu vergessen dem SV Waldhof Mannheim, jedoch sind bis auf die Jungs aus der Quadratestadt alles soweit fest im Profifußball integriert. An Pleiße und Elster sieht das ganz anders aus. Der Widerstand ist um Ecken größer und lauter und nirgendwo wird mehr auf Tradition gepocht als dort. LOK und Chemie. Leutzsch und Probstheida, Feuer und Wasser. Und seit 2009 nun auch noch Taurin und Koffein.

Man vergisst viel zu sehr, was im Ostfußball gerade los ist und die letzten Jahre los war. Schaut man sich die Abschlusstabellen der ersten und zweiten Liga an, so kommt man zu der Erkenntnis, dass sich im Oberhaus kein einziger Ostverein mehr findet und in Liga 2 gerade mal Union Berlin und Erzgebirge Aue die Fahnen hochhalten. Mit Cottbus und Dresden verlassen gleich zwei Traditionsvereine aus Brandenburg und Sachsen die Klasse. Alleine bei den Eisernen aus Köpenick zeigt der Trend nach oben und die Entwicklungen im direkten Umfeld der letzten Jahre lassen sie durchaus als Gegengewicht zur Charlottenburger Hertha erwachsen. Nicht zuletzt wegen des großen Einzugsgebietes in der Hauptstadt. Dieses fehlt Aue voll und ganz. Leipzig wiederum ist groß.    

Rasenballsport, Red Bull oder für was auch immer nun dieses ominöse RB steht, hat sich eingekauft und nach oben katapultiert. Eine Entwicklung die nicht jedem Fußballromantiker gefallen wird, die aber auf lange Sicht wohl nicht zu verhindern scheint. Um dieser Abneigung Ausdruck zu verleihen, versuchen es die deutschen Profivereine schon seit geraumer Zeit den Leipzigern ein Bein zu stellen. Was bei Hoffenheim mehr oder weniger durch Kontakte zum Kaiser & Co ligaweit zähneknirschend akzeptiert wurde, bekommt RB jetzt mit voller Breitseite ab. Die Lizenzsauflagen zeigen ihr Übriges. Vor allem mit der Kritik am Logo scheint nur auf den ersten Blick verständlich.

Sah das Logo bis letzte Woche noch so aus



So hat es eine wundersame Änderung widerfahren    



Auch an diesem Logo wird nun wieder rumgemosert. Zu recht oder nicht, da sei dahin gestellt. Denn auch andere Vereine haben ursprünglich mal als Betriebssportmannschaft angefangen und wurden in den 70ern nicht gerade mit offenen Armen im Profifußball empfangen. Auch dort wurden Logos geändert.



Aber das entfacht heute keine Aufregung mehr. Trotz des Sponsor im Wappen und wahrscheinlich der Tradition wegen. Ja, die Tradition die man nicht von Anfang hat, sondern sich erst erarbeiten muss. So wie das alle Vereine getan haben.

Was in Hoffenheim nicht unbedingt nötig war, ist es mit der Etablierung eines Profivereins in der Region in und um Leipzig umso mehr. Bis auf wenige Ausnahmen hat sich der Ostfußball nicht dauerhaft im Profifußball fest spielen können. Egal ob Mateschitz oder nicht, einer muss den Anfang machen.


Auch wenn dann eben österreichische Bullen auf den blühenden Landschaften im Osten weiden werden.   

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