Kaum hat die FIA am Freitag
grünes Licht für den von Adrian Newey entworfenen und schon seit mehreren
Saisonrennen im Einsatz befindlichen Diffusor gegeben, so nahm Charlie Whiting
das Urteil auch gleich schon wieder zurück. Das Team Red Bull Racing um
Sebastian Vettel hat eine Niederlage einstecken müssen, da die Konkurrenz
diesen Vorsprung durch Technik nicht wettmachen konnte und sich daher lautstark
beschwerte.
Diese Meldung aus dem Juli 2011
hat auch fast drei Jahre später noch Aktualität. Zwar geht es weniger um
zweifelhafte Luftleitbleche, als um die Zugehörigkeit zum Fußball-Unterhaus und
der Protest der Konkurrenz wird viel leiser – dafür umso subtiler – kundgetan.
Sportlich haben die Brauseochsen
aus Leipzig den Aufwärtstrend auch dieses Jahr wieder bestätigt und ihm mit dem
Aufstieg in die 2. Fußballbundesliga die Krone aufgesetzt. Fernab des Platzes
fehlt es jedoch mit der Bestätigung. Die anderen Vereine zicken rum und sehen
ihre (vielleicht auch niemals zu erreichenden) Pfründe davon laufen und zu
guter Letzt stellt die DFL auch noch Bedingungen. Es müssen demokratischere
Vereinsstrukturen her, die Jahresbeiträge für Vereinsmitglieder sprengen fast
die 1000 € Marke und das Logo könnte 1:1 aus dem Kühlschrank der
Autobahnraststätte auf die Brust des Trikots gehüpft sein. Punkt 1 und 2
treffen voll und ganz zu. Es kann – trotz des bekannten Hintergrundes und dem
Werdegang des damaligen SSV Markranstädt – nicht angehen, dass komplett alle
Funktionäre auf Vereinsebene aus Fuschl am See bezahlt werden. Genauso verhält
es sich mit den Kosten der Jahresmitgliedschaften. Diese sind einfach zu hoch
und lassen den Zweck erahnen – Ausgrenzung statt Mitbestimmung. Das geht
wirklich zu weit. Klar, in Hoffenheim lässt man sich die Butter auch nicht vom
Brot nehmen und hält bei den Schlüsselpositionen - auch jenseits der 50+1 Regel
- die Zügel in der Hand. Man verkauft es halt geschickter und lässt auf diese
Weise etwas wie ein Vereinsgefühl entstehen. Die Rhein-Neckar Region ist
ebenfalls gespalteten, trotzdem begegnen viele Leute Dietmar Hopp mit
Dankbarkeit und großem Respekt, nicht zu letzt wegen vorangegangener Leistungen
und Wohltaten des Mäzens.
In Leipzig ist das etwas anders.
Zwar gibt es auch im Süden viel Tradition und Fußballkultur mit dem KSC, dem
VFB, den roten Teufeln, Eintracht Frankfurt und nicht zu vergessen dem SV
Waldhof Mannheim, jedoch sind bis auf die Jungs aus der Quadratestadt alles
soweit fest im Profifußball integriert. An Pleiße und Elster sieht das ganz
anders aus. Der Widerstand ist um Ecken größer und lauter und nirgendwo wird
mehr auf Tradition gepocht als dort. LOK und Chemie. Leutzsch und Probstheida, Feuer und
Wasser. Und seit 2009 nun auch noch Taurin und Koffein.
Man vergisst viel zu sehr, was im
Ostfußball gerade los ist und die letzten Jahre los war. Schaut man sich die
Abschlusstabellen der ersten und zweiten Liga an, so kommt man zu der
Erkenntnis, dass sich im Oberhaus kein einziger Ostverein mehr findet und in
Liga 2 gerade mal Union Berlin und Erzgebirge Aue die Fahnen hochhalten. Mit
Cottbus und Dresden verlassen gleich zwei Traditionsvereine aus Brandenburg und
Sachsen die Klasse. Alleine bei den Eisernen aus Köpenick zeigt der Trend nach
oben und die Entwicklungen im direkten Umfeld der letzten Jahre lassen sie
durchaus als Gegengewicht zur Charlottenburger Hertha erwachsen. Nicht zuletzt
wegen des großen Einzugsgebietes in der Hauptstadt. Dieses fehlt Aue voll und
ganz. Leipzig wiederum ist groß.
Rasenballsport, Red Bull oder für
was auch immer nun dieses ominöse RB steht, hat sich eingekauft und nach oben
katapultiert. Eine Entwicklung die nicht jedem Fußballromantiker gefallen wird,
die aber auf lange Sicht wohl nicht zu verhindern scheint. Um dieser Abneigung
Ausdruck zu verleihen, versuchen es die deutschen Profivereine schon seit
geraumer Zeit den Leipzigern ein Bein zu stellen. Was bei Hoffenheim mehr oder
weniger durch Kontakte zum Kaiser & Co ligaweit zähneknirschend akzeptiert
wurde, bekommt RB jetzt mit voller Breitseite ab. Die Lizenzsauflagen zeigen
ihr Übriges. Vor allem mit der Kritik am Logo scheint nur auf den ersten Blick
verständlich.
Sah das Logo bis letzte Woche
noch so aus
So hat es eine wundersame
Änderung widerfahren
Auch an diesem Logo wird nun
wieder rumgemosert. Zu recht oder nicht, da sei dahin gestellt. Denn auch
andere Vereine haben ursprünglich mal als Betriebssportmannschaft angefangen
und wurden in den 70ern nicht gerade mit offenen Armen im Profifußball
empfangen. Auch dort wurden Logos geändert.
Aber das entfacht heute keine
Aufregung mehr. Trotz des Sponsor im Wappen und wahrscheinlich der
Tradition wegen. Ja, die Tradition die man nicht von Anfang hat, sondern sich erst
erarbeiten muss. So wie das alle Vereine getan haben.
Was in Hoffenheim nicht unbedingt
nötig war, ist es mit der Etablierung eines Profivereins in der Region in und
um Leipzig umso mehr. Bis auf
wenige Ausnahmen hat sich der Ostfußball nicht dauerhaft im Profifußball fest
spielen können. Egal ob Mateschitz oder nicht, einer muss den Anfang machen.
Auch wenn dann eben österreichische
Bullen auf den blühenden Landschaften im Osten weiden werden.



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