Montag, 10. August 2015

Fettnäpfchen zu Friteusen

Eine alte Regel in der non-verbalen Konfliktlösung zwischen zwei Streithähnen lautet: "Wer auf dem Boden liegt, den sollte man nicht auch noch treten". Was bei einer Kneipenschlägerei mit einem Bier danach wieder ins Lot gebracht werden kann, gestaltet sich beim Hamburger Sportverein in den letzten Jahren anders.

Anscheinend möchte man an der Elbe gar nicht mehr aufstehen und selbst Königs Pilsener (Ja, Holsten verkauft kein Bier mehr im Stadion, was bei näherer Betrachtung auch gar nicht so schlimm erscheint) ist nicht in der Lage, soviel Hektoliter Bier zu produzieren, so dass man sich die ganze Sache wenigstens schön trinken könnte. Der Kater davor ist dann eben auch der Kater danach.

"Gibts da nich' was von ratiopharm?" - Nein! Nur von Bayer Leverkusen und zwar in regelmäßigen Transferzahlungen für die vielversprechendsten Talente und Rohdiamanten, die so von Jahr zu Jahr von der Elbe an den Rhein gespült werden und dort das machen, was sie am Besten können: dynamischen und attraktiven Fußball spielen.    

In Sachen Aussenwirkung hat der HSV schon lange den Kredit verspielt, den man sich in den 70er und 80er als die "Macht aus dem Norden" und dem wahren Bayern-Kontrahenten erspielt hat. Das ist ist eben schon 30 Jahre her und sollte nicht die Basis sein, im Jahre 2015 an Tradition und überdimensonierten Digital-Uhren festzuhalten, die den Stillstand noch weiter untermauern. Den einzigen Kredit, den man heute noch bekommt, ist der von Klaus Michael Kühne. Die Frage ist nur, wie lange noch?

Der Rest in ganz Fußball-Deutschland und selbst die treusten Fans scheinen keinen Pfifferling mehr auf den HSV zu setzen. Nun hat die neue Saison noch nicht begonnen, aber es scheint so weiter zugehen wie bisher. Man muss nicht gemocht werden, um seinen Weg zu gehen, nur ist das Ziel eben nicht erkennbar. Die vermeintliche Euphorie nach der Ausgliederung des Spielbetriebes in eine GmbH ist verflogen. Attraktiv für Investoren ist man nur dann, wenn man entweder eine Marke mit Leidenschaft und sympathischer Sogwirkung darstellt oder eben erfolgreich Fußball spielt.

Beides ist beim HSV nicht zu erkennen und anstatt die Rolle als "Neustarter" anzunehmen, schießt man sich ein Eigentor nach dem anderen, obwohl Heiko Westermann den Verein längst verlassen hat. Verlorene Rucksäcke mit sensiblen Daten werden herunter gespielt, Maximilian Beister wird mit dem Prädikat "uvermittelbar" hoch abgefunden um einen Tag später bei Mainz 05 anzuheuern, die eigenen Spieler sehen sich finanziellen Sanktionen ausgesetzt, weil sie auf anderes Schuhwerk setzen und selbst der ironische Umgang mit der erfolgreichen Verteidigung der Relegationsmeisterschaft, die in einem Aktionshirt gipfelte, schlug fehl, da die Idee schlicht und einfach vom Postillion geklaut wurde.

Ich wünsche mir, dass wieder mehr Demut und vielleicht auch ein Quäntchen Selbstironie an den Tag gelegt wird, anstatt den unerreichbar hohen Ansprüchen der Vergangenheit blind hinter her zu rennen. Dortmund hat dies geschafft, Mainz hat das geschafft und auch in Bremen ist man auf einem sehr guten Weg - und das sollte für Dietmar Beiersdorfer und Peter Knäbel eigentlich Ansporn genug sein.

"Vorwärts nimmer, rückwärts immer" lautet wohl die Devise am Volksparkstadion dieser Tage.  Der Profifußball beim HSV erinnert einen viel zu oft an die guten alten Zeiten auf DSF zurück, als man Spaß daran hatte, Leuten beim Scheitern zuzuschauen - Willkommen bei Takeshi's Castle.



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