„Der Fußballgott hat ein Einsehen
gehabt!“ – so oder so ähnlich wird es so manchem HSV-Fan am gestrigen Sonntag
um kurz vor 19 Uhr über die Lippen gekommen sein. Was den echten Dinosauriern
vor mehr als 65 Millionen Jahren verwehrt blieb, wurde dem Bundesliga-Dino aus
dem hohen Norden zu teil: die Rettung in letzter Sekunde.
Im Jahre 2009 wurde durch die DFL
ein Relikt der Achtzigerjahre wiederbelebt. Viele Vereine von Liga 1 bis runter
zu Liga 3 müssen nun am Ende einer langen und harten Saison um die Früchte der
selbigen zittern. 2 Spiele, kein Erbarmen. Bei der Relegation zum Oberhaus
hatten seitdem nur zwei Vereine aus dem Unterhaus das Glück ihre Saison schlussendlich
doch mit dem Aufstieg krönen zu können. Eine Liga tiefer sieht das für die
unterklassigen Vereine schon durchaus positiver aus.
Nichtsdestotrotz stellt sich die
Frage nach dem Warum. Sympathische junge Spieler, schnelles Umschalten,
Spielwitz, Offensivdrang und mehr als 60 Saisontore treffen auf beispiellose
Lethargie, 27 magere Pünktchen, ausgebootete Spieler die aufgrund von
Verletzungssorgen nun doch wieder ran müssen und stolze 75 Tore. Gegentore
wohlgemerkt. Ein moderner Kramer
gegen einen hilflosen, fast bemitleidenswerten Herrn Slomka. Gewachsener Teamgeist gegen nicht zu
verantwortende Mängelverwaltung – zumindest aus Slomkas Sicht. Und zu guter
letzt noch auf der einen Seite einen jungen, aufstrebenden Manager mit hohen
Ambitionen namens Rouven Schröder, der ironischerweise vom SV Werder Bremen
umworben wird und einen großen Anteil am aktuellen Erfolg hat. Ihm gegenüber
steht ein Manager, dessen beste Tat darin bestand, den Spieler Hakan Calhanoglu noch zu Zeiten als
Manager des KSC zum HSV zu transferieren. Gut, Lasogga darf man ihm auch zurechnen.
Oliver Kreuzer macht ansonsten alles andere als eine gute Figur in Hamburg.
Aber wer macht das schon in dieser Zeit.
Der unparteiische Fußball-Fan,
der sich die beiden Relegationsspiele hat antun dürfen, wird sich verwundert
gefragt haben, wie der HSV die Qualifikation für die 2. Liga nur so knapp verpassen
konnte. Erst hatte man Pech und dann kam auch noch Glück dazu...oder so
ähnlich. Dieser Modus hat die erste Fußballbundesliga nur künstlich spannend
gemacht. So hätte nach dem 32. Spieltag Nürnberg noch rein theoretisch bei zwei
Siegen den sicheren Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen können. Aber nur
wenn der VfB Stuttgart und der Hamburger Sportverein die beiden letzten Spiele
verlieren würden. Auf die Elbkicker war Verlass, die Schwaben schwächelten in
dieser Hinsicht ein wenig. Die Clubberer taten es dem HSV genauso gleich wie die Eintracht aus Braunschweig. Wohl dem, der solche Teams im Rücken hat.
Die Spielvereinigung aus Fürth hat
eine ganze Saison gekämpft und es als Absteiger nie verpasst, die
Aufstiegsplätze aus den Augen zu verlieren. Durch teilweise famosen
Offensivfußball haben die Franken Eindruck in Fußballdeutschland hinterlassen. Aber
was hat das Ganze gebracht? Einfach nichts!
Die Hanseaten haben es
tatsächlich geschafft, sich durch die Auswärtstorregel in der Liga zu halten.
Und da muss man einfach ehrlich sein: verdient sieht wirklich anders aus! Die Elf vom Ronhof wurde in zwei unnötigen Spielen um das gebracht, was ihnen aufgrund
konstanterer Saisonleistungen zugestanden hätte, nämlich schlicht und
ergreifend der Wiederaufstieg. Fußball ist nicht fair und die Relegation schon
gar nicht. Und was ist die Moral von der Geschicht’? Alles läuft so weiter, wie
es ist.
Aus Sicht von Greuther Fürth
hoffe ich das. Ich freue mich auf ähnlichen Hurra-Fußball in der kommenden
Saison, vielleicht mit einem positiveren Ausgang als dieses Jahr. Beim HSV vermute
ich schon fast, dass es genauso weiter gehen wird, wie es bislang gelaufen ist.
Obwohl nach dem gestrigen Spiel bei allen Beteiligten die Demut mehr als
deutlich erkennbar war. Denkbar ist, dass all dies zu ein bisschen mehr
Besinnung und Vernunft führen könnte, vor allem in Hinblick auf die kommenden
Saisonziele, das Anspruchsdenken im Ganzen und die Euphorie in Verein und
Umfeld. Zu wünschen wäre es.
Vielleicht kommt es aber auch wie
es kommen muss und es würde mich nicht einmal verwundern. Nach dem ersten
Spieltag und drei Punkten auf dem Konto sieht man sich mit voller Zurückhaltung wieder dort, wo
man sich schon seit Jahren hinsehnt – und ist damit in bester Gesellschaft des
1.FC Köln: Europa. Champions League, direkte Qualifikation.
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