Montag, 19. Mai 2014

Relegation – das Ende der Gerechtigkeit?

„Der Fußballgott hat ein Einsehen gehabt!“ – so oder so ähnlich wird es so manchem HSV-Fan am gestrigen Sonntag um kurz vor 19 Uhr über die Lippen gekommen sein. Was den echten Dinosauriern vor mehr als 65 Millionen Jahren verwehrt blieb, wurde dem Bundesliga-Dino aus dem hohen Norden zu teil: die Rettung in letzter Sekunde.

Im Jahre 2009 wurde durch die DFL ein Relikt der Achtzigerjahre wiederbelebt. Viele Vereine von Liga 1 bis runter zu Liga 3 müssen nun am Ende einer langen und harten Saison um die Früchte der selbigen zittern. 2 Spiele, kein Erbarmen. Bei der Relegation zum Oberhaus hatten seitdem nur zwei Vereine aus dem Unterhaus das Glück ihre Saison schlussendlich doch mit dem Aufstieg krönen zu können. Eine Liga tiefer sieht das für die unterklassigen Vereine schon durchaus positiver aus.   

Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage nach dem Warum. Sympathische junge Spieler, schnelles Umschalten, Spielwitz, Offensivdrang und mehr als 60 Saisontore treffen auf beispiellose Lethargie, 27 magere Pünktchen, ausgebootete Spieler die aufgrund von Verletzungssorgen nun doch wieder ran müssen und stolze 75 Tore. Gegentore wohlgemerkt. Ein moderner Kramer gegen einen hilflosen, fast bemitleidenswerten Herrn Slomka. Gewachsener Teamgeist gegen nicht zu verantwortende Mängelverwaltung – zumindest aus Slomkas Sicht. Und zu guter letzt noch auf der einen Seite einen jungen, aufstrebenden Manager mit hohen Ambitionen namens Rouven Schröder, der ironischerweise vom SV Werder Bremen umworben wird und einen großen Anteil am aktuellen Erfolg hat. Ihm gegenüber steht ein Manager, dessen beste Tat darin bestand, den Spieler Hakan Calhanoglu noch zu Zeiten als Manager des KSC zum HSV zu transferieren. Gut, Lasogga darf man ihm auch zurechnen. Oliver Kreuzer macht ansonsten alles andere als eine gute Figur in Hamburg. Aber wer macht das schon in dieser Zeit.
    
Der unparteiische Fußball-Fan, der sich die beiden Relegationsspiele hat antun dürfen, wird sich verwundert gefragt haben, wie der HSV die Qualifikation für die 2. Liga nur so knapp verpassen konnte. Erst hatte man Pech und dann kam auch noch Glück dazu...oder so ähnlich. Dieser Modus hat die erste Fußballbundesliga nur künstlich spannend gemacht. So hätte nach dem 32. Spieltag Nürnberg noch rein theoretisch bei zwei Siegen den sicheren Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen können. Aber nur wenn der VfB Stuttgart und der Hamburger Sportverein die beiden letzten Spiele verlieren würden. Auf die Elbkicker war Verlass, die Schwaben schwächelten in dieser Hinsicht ein wenig. Die Clubberer taten es dem HSV genauso gleich wie die Eintracht aus Braunschweig. Wohl dem, der solche Teams im Rücken hat.

Die Spielvereinigung aus Fürth hat eine ganze Saison gekämpft und es als Absteiger nie verpasst, die Aufstiegsplätze aus den Augen zu verlieren. Durch teilweise famosen Offensivfußball haben die Franken Eindruck in Fußballdeutschland hinterlassen. Aber was hat das Ganze gebracht? Einfach nichts!

Die Hanseaten haben es tatsächlich geschafft, sich durch die Auswärtstorregel in der Liga zu halten. Und da muss man einfach ehrlich sein: verdient sieht wirklich anders aus! Die Elf vom Ronhof wurde in zwei unnötigen Spielen um das gebracht, was ihnen aufgrund konstanterer Saisonleistungen zugestanden hätte, nämlich schlicht und ergreifend der Wiederaufstieg. Fußball ist nicht fair und die Relegation schon gar nicht. Und was ist die Moral von der Geschicht’? Alles läuft so weiter, wie es ist.

Aus Sicht von Greuther Fürth hoffe ich das. Ich freue mich auf ähnlichen Hurra-Fußball in der kommenden Saison, vielleicht mit einem positiveren Ausgang als dieses Jahr. Beim HSV vermute ich schon fast, dass es genauso weiter gehen wird, wie es bislang gelaufen ist. Obwohl nach dem gestrigen Spiel bei allen Beteiligten die Demut mehr als deutlich erkennbar war. Denkbar ist, dass all dies zu ein bisschen mehr Besinnung und Vernunft führen könnte, vor allem in Hinblick auf die kommenden Saisonziele, das Anspruchsdenken im Ganzen und die Euphorie in Verein und Umfeld. Zu wünschen wäre es.

Vielleicht kommt es aber auch wie es kommen muss und es würde mich nicht einmal verwundern. Nach dem ersten Spieltag und drei Punkten auf dem Konto sieht man sich  mit voller Zurückhaltung wieder dort, wo man sich schon seit Jahren hinsehnt – und ist damit in bester Gesellschaft des 1.FC Köln: Europa. Champions League, direkte Qualifikation.

Es geht nichts über eine gesunde Selbsteinschätzung. 

        

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