Eine alte Regel in der non-verbalen Konfliktlösung zwischen zwei Streithähnen lautet: "Wer auf dem Boden liegt, den sollte man nicht auch noch treten". Was bei einer Kneipenschlägerei mit einem Bier danach wieder ins Lot gebracht werden kann, gestaltet sich beim Hamburger Sportverein in den letzten Jahren anders.
Anscheinend möchte man an der Elbe gar nicht mehr aufstehen und selbst Königs Pilsener (Ja, Holsten verkauft kein Bier mehr im Stadion, was bei näherer Betrachtung auch gar nicht so schlimm erscheint) ist nicht in der Lage, soviel Hektoliter Bier zu produzieren, so dass man sich die ganze Sache wenigstens schön trinken könnte. Der Kater davor ist dann eben auch der Kater danach.
"Gibts da nich' was von ratiopharm?" - Nein! Nur von Bayer Leverkusen und zwar in regelmäßigen Transferzahlungen für die vielversprechendsten Talente und Rohdiamanten, die so von Jahr zu Jahr von der Elbe an den Rhein gespült werden und dort das machen, was sie am Besten können: dynamischen und attraktiven Fußball spielen.
In Sachen Aussenwirkung hat der HSV schon lange den Kredit verspielt, den man sich in den 70er und 80er als die "Macht aus dem Norden" und dem wahren Bayern-Kontrahenten erspielt hat. Das ist ist eben schon 30 Jahre her und sollte nicht die Basis sein, im Jahre 2015 an Tradition und überdimensonierten Digital-Uhren festzuhalten, die den Stillstand noch weiter untermauern. Den einzigen Kredit, den man heute noch bekommt, ist der von Klaus Michael Kühne. Die Frage ist nur, wie lange noch?
Der Rest in ganz Fußball-Deutschland und selbst die treusten Fans scheinen keinen Pfifferling mehr auf den HSV zu setzen. Nun hat die neue Saison noch nicht begonnen, aber es scheint so weiter zugehen wie bisher. Man muss nicht gemocht werden, um seinen Weg zu gehen, nur ist das Ziel eben nicht erkennbar. Die vermeintliche Euphorie nach der Ausgliederung des Spielbetriebes in eine GmbH ist verflogen. Attraktiv für Investoren ist man nur dann, wenn man entweder eine Marke mit Leidenschaft und sympathischer Sogwirkung darstellt oder eben erfolgreich Fußball spielt.
Beides ist beim HSV nicht zu erkennen und anstatt die Rolle als "Neustarter" anzunehmen, schießt man sich ein Eigentor nach dem anderen, obwohl Heiko Westermann den Verein längst verlassen hat. Verlorene Rucksäcke mit sensiblen Daten werden herunter gespielt, Maximilian Beister wird mit dem Prädikat "uvermittelbar" hoch abgefunden um einen Tag später bei Mainz 05 anzuheuern, die eigenen Spieler sehen sich finanziellen Sanktionen ausgesetzt, weil sie auf anderes Schuhwerk setzen und selbst der ironische Umgang mit der erfolgreichen Verteidigung der Relegationsmeisterschaft, die in einem Aktionshirt gipfelte, schlug fehl, da die Idee schlicht und einfach vom Postillion geklaut wurde.
Ich wünsche mir, dass wieder mehr Demut und vielleicht auch ein Quäntchen Selbstironie an den Tag gelegt wird, anstatt den unerreichbar hohen Ansprüchen der Vergangenheit blind hinter her zu rennen. Dortmund hat dies geschafft, Mainz hat das geschafft und auch in Bremen ist man auf einem sehr guten Weg - und das sollte für Dietmar Beiersdorfer und Peter Knäbel eigentlich Ansporn genug sein.
"Vorwärts nimmer, rückwärts immer" lautet wohl die Devise am Volksparkstadion dieser Tage. Der Profifußball beim HSV erinnert einen viel zu oft an die guten alten Zeiten auf DSF zurück, als man Spaß daran hatte, Leuten beim Scheitern zuzuschauen - Willkommen bei Takeshi's Castle.
Montag, 10. August 2015
Freitag, 30. Mai 2014
Gleicht wie ein Bulle dem anderen
Kaum hat die FIA am Freitag
grünes Licht für den von Adrian Newey entworfenen und schon seit mehreren
Saisonrennen im Einsatz befindlichen Diffusor gegeben, so nahm Charlie Whiting
das Urteil auch gleich schon wieder zurück. Das Team Red Bull Racing um
Sebastian Vettel hat eine Niederlage einstecken müssen, da die Konkurrenz
diesen Vorsprung durch Technik nicht wettmachen konnte und sich daher lautstark
beschwerte.
Diese Meldung aus dem Juli 2011
hat auch fast drei Jahre später noch Aktualität. Zwar geht es weniger um
zweifelhafte Luftleitbleche, als um die Zugehörigkeit zum Fußball-Unterhaus und
der Protest der Konkurrenz wird viel leiser – dafür umso subtiler – kundgetan.
Sportlich haben die Brauseochsen
aus Leipzig den Aufwärtstrend auch dieses Jahr wieder bestätigt und ihm mit dem
Aufstieg in die 2. Fußballbundesliga die Krone aufgesetzt. Fernab des Platzes
fehlt es jedoch mit der Bestätigung. Die anderen Vereine zicken rum und sehen
ihre (vielleicht auch niemals zu erreichenden) Pfründe davon laufen und zu
guter Letzt stellt die DFL auch noch Bedingungen. Es müssen demokratischere
Vereinsstrukturen her, die Jahresbeiträge für Vereinsmitglieder sprengen fast
die 1000 € Marke und das Logo könnte 1:1 aus dem Kühlschrank der
Autobahnraststätte auf die Brust des Trikots gehüpft sein. Punkt 1 und 2
treffen voll und ganz zu. Es kann – trotz des bekannten Hintergrundes und dem
Werdegang des damaligen SSV Markranstädt – nicht angehen, dass komplett alle
Funktionäre auf Vereinsebene aus Fuschl am See bezahlt werden. Genauso verhält
es sich mit den Kosten der Jahresmitgliedschaften. Diese sind einfach zu hoch
und lassen den Zweck erahnen – Ausgrenzung statt Mitbestimmung. Das geht
wirklich zu weit. Klar, in Hoffenheim lässt man sich die Butter auch nicht vom
Brot nehmen und hält bei den Schlüsselpositionen - auch jenseits der 50+1 Regel
- die Zügel in der Hand. Man verkauft es halt geschickter und lässt auf diese
Weise etwas wie ein Vereinsgefühl entstehen. Die Rhein-Neckar Region ist
ebenfalls gespalteten, trotzdem begegnen viele Leute Dietmar Hopp mit
Dankbarkeit und großem Respekt, nicht zu letzt wegen vorangegangener Leistungen
und Wohltaten des Mäzens.
In Leipzig ist das etwas anders.
Zwar gibt es auch im Süden viel Tradition und Fußballkultur mit dem KSC, dem
VFB, den roten Teufeln, Eintracht Frankfurt und nicht zu vergessen dem SV
Waldhof Mannheim, jedoch sind bis auf die Jungs aus der Quadratestadt alles
soweit fest im Profifußball integriert. An Pleiße und Elster sieht das ganz
anders aus. Der Widerstand ist um Ecken größer und lauter und nirgendwo wird
mehr auf Tradition gepocht als dort. LOK und Chemie. Leutzsch und Probstheida, Feuer und
Wasser. Und seit 2009 nun auch noch Taurin und Koffein.
Man vergisst viel zu sehr, was im
Ostfußball gerade los ist und die letzten Jahre los war. Schaut man sich die
Abschlusstabellen der ersten und zweiten Liga an, so kommt man zu der
Erkenntnis, dass sich im Oberhaus kein einziger Ostverein mehr findet und in
Liga 2 gerade mal Union Berlin und Erzgebirge Aue die Fahnen hochhalten. Mit
Cottbus und Dresden verlassen gleich zwei Traditionsvereine aus Brandenburg und
Sachsen die Klasse. Alleine bei den Eisernen aus Köpenick zeigt der Trend nach
oben und die Entwicklungen im direkten Umfeld der letzten Jahre lassen sie
durchaus als Gegengewicht zur Charlottenburger Hertha erwachsen. Nicht zuletzt
wegen des großen Einzugsgebietes in der Hauptstadt. Dieses fehlt Aue voll und
ganz. Leipzig wiederum ist groß.
Rasenballsport, Red Bull oder für
was auch immer nun dieses ominöse RB steht, hat sich eingekauft und nach oben
katapultiert. Eine Entwicklung die nicht jedem Fußballromantiker gefallen wird,
die aber auf lange Sicht wohl nicht zu verhindern scheint. Um dieser Abneigung
Ausdruck zu verleihen, versuchen es die deutschen Profivereine schon seit
geraumer Zeit den Leipzigern ein Bein zu stellen. Was bei Hoffenheim mehr oder
weniger durch Kontakte zum Kaiser & Co ligaweit zähneknirschend akzeptiert
wurde, bekommt RB jetzt mit voller Breitseite ab. Die Lizenzsauflagen zeigen
ihr Übriges. Vor allem mit der Kritik am Logo scheint nur auf den ersten Blick
verständlich.
Sah das Logo bis letzte Woche
noch so aus
So hat es eine wundersame
Änderung widerfahren
Auch an diesem Logo wird nun
wieder rumgemosert. Zu recht oder nicht, da sei dahin gestellt. Denn auch
andere Vereine haben ursprünglich mal als Betriebssportmannschaft angefangen
und wurden in den 70ern nicht gerade mit offenen Armen im Profifußball
empfangen. Auch dort wurden Logos geändert.
Aber das entfacht heute keine
Aufregung mehr. Trotz des Sponsor im Wappen und wahrscheinlich der
Tradition wegen. Ja, die Tradition die man nicht von Anfang hat, sondern sich erst
erarbeiten muss. So wie das alle Vereine getan haben.
Was in Hoffenheim nicht unbedingt
nötig war, ist es mit der Etablierung eines Profivereins in der Region in und
um Leipzig umso mehr. Bis auf
wenige Ausnahmen hat sich der Ostfußball nicht dauerhaft im Profifußball fest
spielen können. Egal ob Mateschitz oder nicht, einer muss den Anfang machen.
Auch wenn dann eben österreichische
Bullen auf den blühenden Landschaften im Osten weiden werden.
Montag, 19. Mai 2014
Relegation – das Ende der Gerechtigkeit?
„Der Fußballgott hat ein Einsehen
gehabt!“ – so oder so ähnlich wird es so manchem HSV-Fan am gestrigen Sonntag
um kurz vor 19 Uhr über die Lippen gekommen sein. Was den echten Dinosauriern
vor mehr als 65 Millionen Jahren verwehrt blieb, wurde dem Bundesliga-Dino aus
dem hohen Norden zu teil: die Rettung in letzter Sekunde.
Im Jahre 2009 wurde durch die DFL
ein Relikt der Achtzigerjahre wiederbelebt. Viele Vereine von Liga 1 bis runter
zu Liga 3 müssen nun am Ende einer langen und harten Saison um die Früchte der
selbigen zittern. 2 Spiele, kein Erbarmen. Bei der Relegation zum Oberhaus
hatten seitdem nur zwei Vereine aus dem Unterhaus das Glück ihre Saison schlussendlich
doch mit dem Aufstieg krönen zu können. Eine Liga tiefer sieht das für die
unterklassigen Vereine schon durchaus positiver aus.
Nichtsdestotrotz stellt sich die
Frage nach dem Warum. Sympathische junge Spieler, schnelles Umschalten,
Spielwitz, Offensivdrang und mehr als 60 Saisontore treffen auf beispiellose
Lethargie, 27 magere Pünktchen, ausgebootete Spieler die aufgrund von
Verletzungssorgen nun doch wieder ran müssen und stolze 75 Tore. Gegentore
wohlgemerkt. Ein moderner Kramer
gegen einen hilflosen, fast bemitleidenswerten Herrn Slomka. Gewachsener Teamgeist gegen nicht zu
verantwortende Mängelverwaltung – zumindest aus Slomkas Sicht. Und zu guter
letzt noch auf der einen Seite einen jungen, aufstrebenden Manager mit hohen
Ambitionen namens Rouven Schröder, der ironischerweise vom SV Werder Bremen
umworben wird und einen großen Anteil am aktuellen Erfolg hat. Ihm gegenüber
steht ein Manager, dessen beste Tat darin bestand, den Spieler Hakan Calhanoglu noch zu Zeiten als
Manager des KSC zum HSV zu transferieren. Gut, Lasogga darf man ihm auch zurechnen.
Oliver Kreuzer macht ansonsten alles andere als eine gute Figur in Hamburg.
Aber wer macht das schon in dieser Zeit.
Der unparteiische Fußball-Fan,
der sich die beiden Relegationsspiele hat antun dürfen, wird sich verwundert
gefragt haben, wie der HSV die Qualifikation für die 2. Liga nur so knapp verpassen
konnte. Erst hatte man Pech und dann kam auch noch Glück dazu...oder so
ähnlich. Dieser Modus hat die erste Fußballbundesliga nur künstlich spannend
gemacht. So hätte nach dem 32. Spieltag Nürnberg noch rein theoretisch bei zwei
Siegen den sicheren Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen können. Aber nur
wenn der VfB Stuttgart und der Hamburger Sportverein die beiden letzten Spiele
verlieren würden. Auf die Elbkicker war Verlass, die Schwaben schwächelten in
dieser Hinsicht ein wenig. Die Clubberer taten es dem HSV genauso gleich wie die Eintracht aus Braunschweig. Wohl dem, der solche Teams im Rücken hat.
Die Spielvereinigung aus Fürth hat
eine ganze Saison gekämpft und es als Absteiger nie verpasst, die
Aufstiegsplätze aus den Augen zu verlieren. Durch teilweise famosen
Offensivfußball haben die Franken Eindruck in Fußballdeutschland hinterlassen. Aber
was hat das Ganze gebracht? Einfach nichts!
Die Hanseaten haben es
tatsächlich geschafft, sich durch die Auswärtstorregel in der Liga zu halten.
Und da muss man einfach ehrlich sein: verdient sieht wirklich anders aus! Die Elf vom Ronhof wurde in zwei unnötigen Spielen um das gebracht, was ihnen aufgrund
konstanterer Saisonleistungen zugestanden hätte, nämlich schlicht und
ergreifend der Wiederaufstieg. Fußball ist nicht fair und die Relegation schon
gar nicht. Und was ist die Moral von der Geschicht’? Alles läuft so weiter, wie
es ist.
Aus Sicht von Greuther Fürth
hoffe ich das. Ich freue mich auf ähnlichen Hurra-Fußball in der kommenden
Saison, vielleicht mit einem positiveren Ausgang als dieses Jahr. Beim HSV vermute
ich schon fast, dass es genauso weiter gehen wird, wie es bislang gelaufen ist.
Obwohl nach dem gestrigen Spiel bei allen Beteiligten die Demut mehr als
deutlich erkennbar war. Denkbar ist, dass all dies zu ein bisschen mehr
Besinnung und Vernunft führen könnte, vor allem in Hinblick auf die kommenden
Saisonziele, das Anspruchsdenken im Ganzen und die Euphorie in Verein und
Umfeld. Zu wünschen wäre es.
Vielleicht kommt es aber auch wie
es kommen muss und es würde mich nicht einmal verwundern. Nach dem ersten
Spieltag und drei Punkten auf dem Konto sieht man sich mit voller Zurückhaltung wieder dort, wo
man sich schon seit Jahren hinsehnt – und ist damit in bester Gesellschaft des
1.FC Köln: Europa. Champions League, direkte Qualifikation.
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